Die Ortsmusikkapelle Strobl damals

Die südlichste Gemeinde des Flachgaues umfasst mit ihren 3651 Einwohnern See- und Berglandschaften. Ursprünglich hieß die Siedlung "am Schober", später erhielt sie den Namen Strobl, nach der reichen und angesehenen Familie Strobl.


Da bis knapp vor dem Ersten Weltkrieg keine Aufzeichnungen, weder bei der Musik noch in der Gemeinde noch im Pfarramt, vorliegen, mußte man auf mündliche Überlieferungen zurückgreifen.

Ein am Ostersonntag des Jahres 1869 während des feierlichen Gottesdienstes vorgetragenes Adagio war etwas so völlig Neues in der Pfarrkirche zu Strobl, dass sich die Leute nach der Kirchzeit auf dem Dorfplatz versammelten und ihrer Freude über den gelungenen Auftritt freien Lauf ließen. Wohlhabende Bauern bestürmten die beiden Flügelhornisten, Oberförster Willy Buchwald und Georg Vockner, sie möchten doch dazu beitragen, sobald als nur möglich eine kleine Kapelle zusammenzustellen. Die Bauern wären sofort bereit, die hiefür notwendigen Mittel zu spenden.

 

Buchwald und Vockner sagten zu, lernten bis zum Fronleichnamsfest eine Gruppe von 8 bis 10 Bläsern an und studierten zwei Märsche ein. Buchwald besaß auch die nötigen musikalischen Kenntnisse und übernahm als erster Kapellmeister die Führung der jungen Kapelle. Geprobt wurde im Rossstall der Gitzollersäge (heute Pöckl). Nach und nach fanden sich genügend Strobler ein, die sich zur Ausbildung meldeten und die Kapelle verstärkten.

Zwischen 1870 und 1880 studierte Buchwald mit seiner Jungbläsergruppe, zur damaligen Zeit noch eine Seltenheit, kleine Stücke ein. Die Aufführungen wurden jedoch später von der Schulbehörde untersagt, da die meisten noch schulpflichtig waren und anstatt Schreiben und Rechnen zu pauken lieber musizierten.

 

Für die notwendigen Instrumente und Uniformen, die der heutigen ganz ähnlich waren, fanden sich bald Spender; der französische Offizier Debojeen und Frau von Dischees, die damals zur Sommerfrische in Strobl weilten. Strobl war um die Jahrhundertwende als Sommerfrischeort groß im Kommen und zog auch eine Reihe von Literaten und Künstlern an. Bei einer der Musikdarbietungen wurde der Wiener Militärkapellmeister und Komponist Carl Michael Ziehrer auf den ersten Flügelhornisten aufmerksam und wollte den begabten und mit einem herrlichen Ton vortragenden Musiker gleich nach Wien mitnehmen. Rupert Weinbacher (vom Bruckschlöglgut in Aigen) lehnte jedoch das Ansuchen Ziehrers mit den Worten „Na, Dank schö, Herr Ziehrer, i kann do unser Musi net im Stich lass´n“ ab.

 

Einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg teilte sich die Kapelle in die Ortsmusik- und die Bauernkapelle. Der Zwist entzündete sich am Kapellmeister Franz Lhotzky und dessen Bruder Hans. Ein Teil der Musiker war der Meinung, man bräuchte die beiden „Böhm“ nicht; andere meinten, dass man auf die beiden bei Militärmusikkapellen ausgebildeten vorzüglichen Musiker nicht verzichten solle.

Bis zu jener Teilung standen Willy Buchwald, Hans Gitzoller (Sägewerksbetreiber in Weißenbach), Hermann Stehrer (Rottmeister in Aigen), Leopold Stehrer (Tischler und Jäger aus Aigen) und Anton Unterberger (Koglergut) der Ortsmusik vor.

 

Die Ortsmusikkapelle Strobl wurde bis zur Auflösung im Jahre 1937 von folgenden Kapellmeistern geleitet:

Franz Lhotzky, Hans Lhotzky (beide vom Schlaggut), Josef Reichl (Zimmermann in Weißenbach) und Josef Laimer (Zimmermann in Strobl).

Die Bauernkapelle Strobl, sie war wie die Ortsmusikkapelle zweimal durch die beiden Weltkriege unterbrochen, leiteten Leopold Stehrer (Tischler in Aigen), Franz Unterberger (Eggerseppenbauer) und Hans Vockner (Steinmaurer aus Aigen).

Nach dem ersten Weltkrieg bestand mehrere Jahre unter der Leitung des Oberlehrers Hans Haberl auch ein kleines Orchester aus Streichern und Bläsern, das sich aber nach dem Abgang mehrerer Solisten wieder auflöste.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde aus den nicht in der Wehrmacht dienenden Musikern notdürftig eine Kapelle von Hans Haberl und Josef Kehldorfer weitergeführt.

Nach 1945 blieb es endgültig bei einer Kapelle, der OrtsmusikkapelleStrobl, die 1949 das 80-Jahr-Juiläum und 1969 das 100-Jahr-Jubiläum feierte. Ein Eintrag in der Schulchronik der Volksschule Strobl beschreibt das Musikfest der Ortsmusik anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens:

„Die Ortsmusik Strobl feierte am Pfingstmontag, den 6. Juni 1949 ihr 80-jähriges Bestehen. Dazu kamen 17 Musikgruppen aus der näheren Umgebung. Am Vorabend konzertierte die Jubelkapelle vor dem Hotel. Nach Einbruch der Dunkelheit leuchteten Höhenfeuer von den Bergen und ein 80 von der Laimeralm, das Seeufer war beleuchtet, lampiongeschmückte Boote fuhren auf dem See. Auf einer großen Plätte konzertierte die Bürgermusik von St. Wolfgang.

Der Festtag selbst begann mit dem Weckruf der Strobler Musikkapelle und Böllerschüssen. Um 6 Uhr war Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder der Kapelle. Um 11 Uhr begann der Festzug. Er nahm den Weg vom Hotel zum Moosgassner, auf der Grazer Bundesstraße zum Platzl, dann auf der Ischler Straße zum Hotel zurück. Nachmittags ab 3 Uhr konzertierten die einzelnen Kapellen im Klinglerwald.“

 

Im Jahre 1954 erklärten sich wieder 10 Musiker bereit, Begräbnisse musikalisch zu gestalten. Ihre Verlässlichkeit und Wettertauglichkeit ist sprichwörtlich, denn seit 1954 wurde von der Begräbnismusik noch nie ein Ansuchen abgelehnt.

 

Erstmals wurde im Jahre 1971 auf Initiative von Kapellmeister Walter Klaffenböck und Obmann Franz Sams mit dem Kameradschaftsbund und dem Trachtenverein ein gemeinsamer Kirchgang mit einer anschließenden Cäcilia-Feier durchgeführt. Dies war die Geburtsstunde des nunmehr zur Tradition gewordenen Vereinssonntages. Viele Strobler Vereine nehmen die Einladung der Ortsmusikkapelle wahr, um in einer gemeinsamen Messe und der anschließenden Feier Dank zu sagen und Rückschau zu halten. Beinahe jedes Jahr reist eine Abordnung der 4. Kompanie des Iserlohner Bürgerschützenvereins zum Vereinssonntag an, um die seit 1969 bestehende Freundschaft zu pflegen und die Verbundenheit mit der Ortsmusikkapelle zu bekunden.

 

Die Bekannt- und Beliebtheit sowie Verpflichtungen gegenüber dem Fremdenverkehr führten die Kapelle schon des Öfteren ins Ausland, nach Terzo die Aquileia, nach Straßburg-Schiltigheim, 1996 zum großen Austria-Festival nach Antwerpen und mehrmals nach Iserlohn zum Großen Schützenfest.

 

In der Heimatgemeinde zählt die musikalische Umrahmung kirchlicher (Erstkommunion, Fronleichnam, Pfarrfeste, Postalmmesse, Bischofsempfänge usw.) und weltlicher Festlichkeiten zu den wichtigsten Aufgaben der Musikkapelle. Das Neujahrskonzert, das Frühlingskonzert und der musikalische Frühschoppen sind uns besonders wichtig. Wir sehen sie nicht nur als musikalische sondern gleichsam als gesellschaftliche Höhepunkte, die Einheimische, Gäste und Freunde aus den Nachbargemeinden zum gemütlichen Plausch zusammenbringen.

Auch kommen sie einer Leistungsschau gleich, bei der neben kleinen Bläsergruppen vor allem die seit einigen Jahren bestehende „Junior Band“ ihr Können zeigen. Dass viele Jugendliche nicht nur musikalisch tätig sein sondern auch zur Musikkapelle wollen, zeigt, wie integrativ die Kapelle innerhalb der Gemeinde wirkt und Menschen von Jugend an bis ins hohe Alter vereint.

Jährlich bis zu 20 Promenadekonzerte, Zeltfeste, Seefeste, Musikfeste usw. runden unser musikalisches Jahr ab. Sie summieren sich mit den Registerproben, Gesamtproben und vielen Ensembleproben der kleinen Gruppen auf manchmal mehr als 150 Ausrückungen im Jahr.

 

Die Obmänner seit 1945:

  • Franz Unterberger (Eggerbauer, 1945 – 1949)
  • Franz Brüggler (Baumeister, 1950)
  • Hans Stehrer (Tischlermeister, 1951 – 1956)
  • Fritz Struber (Sägearbeiter, 1956 – 1959)
  • Johann Klaffenböck (Zementwarenerzeuger, 1959 – 1966)
  • Franz Sams (Drogist, 1966-1998)
  • Gottfried Stockinger (Bautechniker, 1998 – 2013)
  • Markus Eder (Zimmermeister, seit 2013)

 

Die Kapellmeister seit 1945:

  • Johann Klaffenböck (Zementwarenerzeuger, 1945 – 1950)
  • Matthias Gumpinger (Maurer, 1950 – 1952)
  • Franz Reischl (Volksschuldirektor, 1952 – 1956)
  • Hans Brandstätter (Volksschuldirektor, 1956 – 1968)
  • Walter Klaffenböck (Postbeamter, 1968 – 1976)
  • Matthias Limbacher (HS - Direktor, 1976 – 2009)
  • Gerhard Laimer (Elektrotechniker, seit 2009)

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Anstehende Termine

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Fr 18.October 2019 20:00 - 22:00

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